sopralaria



Das Ensemble "SOPRALARIA" hat es sich zur Aufgabe gemacht, selten gehörte Werke, wie die jüdischer Komponisten aus dem 16.-18. Jh., darzubieten. Der Name des Ensembles nimmt Bezug auf eine Sonate mit dem poetisch anmutenden Titel "Sopra l´aria del tenore di Napoli" von Salamone di Rossi Hebreo, einem bedeutenden Vertreter der polyphonen Musik des 16/17. Jhdt.´s. Rossi war als Komponist, Sänger und Violinist am Hofe zu Mantua tätig. Fürst Gonzaga war so angetan von seinen Kompositionen, dass er ihn von der Verpflichtung, einen gelben Stern zu tragen, befreite. Neben berühmten Vocalstücken für den Gottesdienst komponierte er auch zahlreiche Instrumentalstücke, die selten zu hören sind. Einige ausgewählte Werke werden im Konzert erklingen.

Konzerttermine:

  • Dienstag, 20. November 2012, Synagoge Hechingen

Am 20.11.12 in Hechingen:

Christiane Schmidt, Sabine Kreutzberger, Veronique Simons, Wilu Mann

Programm:

  • Salamone di Rossi (1587-1628) - Sonata a tre
  • Giovanni Bassano (1558-1617) -  Fantasia, Trio
  • Martin Blochwitz  (1686-1739) - Suite
  • Michelle Bolaffi (1768-1842) - Arietta, Aria
  • Christian Joseph Lidarti (1730-1795) - Arien der Esther

Mitwirkende:

  • Sabine Kreutzberger, Viola da gamba
  • Wilu Mann, Viola da gamba und Cembalo
  • Christiane Schmidt, Sopran und Blockflöte
  • Veronique Simons, Viola da gamba

Christiane Schmidt, Sängerin, Chorleiterin und Gesangspädagogin (ihre Gesangsschülerinnen erreichten mehrfach gute Platzierungen bei Jugend Musiziert bis zum Bundeswettbewerb), studierte an der Hochschule des Saarlandes für Musik und Theater in Saarbrücken Blockflöte und Gesang. Ihre Lehrer waren Philippe Huttenlocher und Siegmund Nimsgern. Noch während des Studiums wurde sie in das Ensemble des Brandenburger Theaters aufgenommen. Sie konzertiert und unterrichtet heute im Raum Speyer-Mannheim.

Sabine Kreutzberger studierte Viola da gamba bei Pere Ros an der Musikhochschule Karlsruhe und bei Wieland Kuijken in Den Haag. Unterricht und Kurse besuchte sie u.a. bei Ariane Maurette, José Vazquez und Kees Boeke. Seit 1997 ist Sabine Kreutzberger als Dozentin für Viola da gamba-Continuospiel an der Musikhochschule Karlsruhe tätig. Sie konzertiert in vielfältigen Besetzungen und Ensembles, wie ECCO la musica, Music for a while, I Ciarlatani, Flauto con Bassi, RicciCapricci, Les Escapades und der Mittelaltergruppe "Est!" Sie wirkte bei zahlreichen Rundfunkaufnahmen, Liveauftritten und CD-Einspielungen mit.

Véronique Simons-Less studierte an der staatlichen Hochschule für Musik Heidelberg-Mannheim klassische Gitarre bei Jörg Wagner und Viola da gamba bei Monika Schwamberger. Außerdem schloss sie 2001 als Stipendiatin das Yivo-Programm für Jiddische Sprache und LIteratur an der Columbia University in New York ab und hält zudem engen Kontakt zur Jüdischen Kultusgemeinde Heidelberg.

Wilu Mann studierte Viola da gamba an der Hochschule des Saarlandes für Musik und Theater in Saarbrücken im Rahmen des "Studio für ALTE MUSIK". Ihre Lehrer waren Christoph Coin und Rolf Domisch. Es folgten Studien bei José Vazques (Wien) und Pere Ros (Karlsruhe) bevor sie zum Lehramt wechselte. Der Besuch zahlreicher Meisterkurse für Viola da gamba sowie die Teilnahme an Interpretationskursen für“ ALTE MUSIK“ führten sie zum Cembalospiel.

 


 

 


 

Rezension zum Konzert 20.11.12 in der alten Synagoge Hechingen (Südwest Presse 23.11.12)

 

Hechingen

Musik, die verzaubert

Außergewöhnliche Klänge aus der jüdischen Barockzeit und unbekannte Namen wurden vom Ensemble "Sopralaria" in die Alten Synagoge gebracht.

Autor: KARIN IOVA |

Klänge wie sie auch am englischen Hof von König Heinrich VIII erklungen sein könnten, brachte das Ensemble "Sopralaria" am Dienstagabend in die Alte Synagoge. Die Brüder des jüdischen Komponisten Giovanni Bassano (1657-1716) waren am Hofe des englischen Monarchen tätig. Ihnen war es zu verdanken, dass in England eine langjährige Laute- und Gamba-Tradition herrschte. An diesem Abend erklangen die Fantasia und ein Trio von Bassano, dem jüdischen Komponisten aus Venedig.

Die vier studierten Musikerinnen Wilu Mann (Viola da Gamba, Cembalo), Veronique Simons-Less (Viola da Gamba), Sabine Kreutzberger (Viola da Gamba) und Christiane Schmidt (Sopran und Blockflöte) haben es sich zur Aufgabe gemacht, dem Publikum selten gehörte Werke und bisweilen noch unbekannte jüdische Komponisten aus der Barockzeit näherzubringen. Darunter auch der wohl bedeutendste Vertreter polyphoner Musik des 16./17. Jahrhunderts: Salomone di Rossi (1587-1628), Komponist, Sänger und Violonist am Hofe zu Mantua. Nach dessen klangvoller Sonate "Sopra l aria del tenore di Napoli" hat sich das Ensemble benannt.

Mit di Rossis "Sonate a tre" wurde der barocke Abend eröffnet. Das Publikum wurde von den Instrumentalistinnen mitgenommen auf eine ganz besondere Zeitreise. Auch Kenner barocker Musik lernten an diesem Abend neue Facetten und Klangfarben der europäischen Musikgeschichte kennen. Ungewohnte, dennoch verzaubernde Klänge erfüllten die Alte Synagoge. Harmonisch wiegten sich Viola da Gamba, Blockflöte und Cembalo in den Melodien. Die ausgewählten Stücke von "Sopralaria" zeichnen sich nicht nur durch ihre klangliche Besonderheit aus, sondern vor allem durch ihren hohen historischen Wert.

Das Ensemble, allen voran Wilu Mann, durchforscht seit Jahren die Bibliotheken nach solchen Werken. Die Arien von Michelle Bolaffi (1768-1842), einer Vertreterin der jüdischen "Musikantinnenzunft", die es beispielsweise am böhmischen Hof gab, sind ganz besonders schwer zugänglich. Sie befinden sich in preußischem Kulturbesitz und werden in der Nationalbibliothek Berlin archiviert. Wilu Mann setzte Himmel und Hölle in Bewegung, um an diese wertvollen Partituren zu gelangen. Und es gelang ihr. Die Noten wurden abfotografiert und der Musikerin überreicht. Eine wahrlich besondere Rarität, die in der Hechinger Synagoge erklang. Sopranistin Christiane Schmidt sang die beiden kostbaren Arien eindrucksvoll und stimmgewaltig.

Von Martin Blochwitz (1686-1739) erklang eine Suite. Blochwitz war Flötist und Komponist am Dresdener Hof unter August dem Starken, der zu seiner Zeit als sehr tolerant gegenüber den verschiedenen Religionen galt. Von außergewöhnlichem Ausdruck und selten hörbarer Phonetik sind die "Arien der Esther" des Wieners Christian Joseph Lidarti in hebräischer Sprache. Lidarti war vor allem für seine sakralen Kompositionen bekannt. Die "Oratorien der Esther" sind an "das Buch Esther" des Alten Testaments angelehnt, das die Bedrohung des jüdischen Volkes thematisiert.

Mit einer Suite von Salomone di Rossi schloss sich in der Alton Synagoge der atmosphärisch und musikalisch außergewöhnliche Kreis.

 


 

Rezension zum Konzert 23.09.12 in der Synagoge Worms (Wormser Zeitung 25.09.12)

Entdeckungen der Vergangenheit

Von Gunter Weigand

JÜDISCHE KULTURTAGE Sopralaria spielen kaum bekannte Werke in der Wormser Synagoge

Jüdische Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts wie Emmerich Kálmán, Erich Wolfgang Korngold oder Arnold Schönberg erfreuen sich auch heute noch einer großen Popularität. Anders sieht es jedoch mit solchen aus, die in früheren Jahrhunderten musikalische Werke schufen. Diese Lücke schloss das Ensemble Sopralaria mit seinem Auftritt in der Wormser Synagoge im Rahmen der Jüdischen Kulturtage zumindest teilweise, denn natürlich konnten die Musiker mit ihrem Konzert nur einen exemplarischen Einblick vermitteln.

Historische Instrumente

Das taten sie jedoch mit vorbildlicher Kunstfertigkeit. In wechselnden Konstellationen musizierten Christiane Schmidt, Sabine Kreutzberger, Véronique Simons-Less und Wilu Mann Werke von fünf jüdischen Komponisten, die zwischen 16. und 18. Jahrhundert an verschiedenen europäischen Musikzentren gewirkt haben. Mit historischen Instrumenten wie der Viola da Gamba, Cembalo und Blockflöte erweckten sie diese teilweise seit ihrer Entstehungszeit nicht mehr gespielte Musik zum Leben. Und das, was die Gäste da zu hören bekam, klang sehr vertraut, denn die an diesem Abend präsentierten Tonschöpfer bewegten sich mit ihren Kompositionen vollkommen in der Tonsprache ihrer christlichen Kollegen.

Giovanni Bassanos Fantasie für drei Gamben war eine delikat durchkomponierte Angelegenheit, bei der die Gamben ihre Melodien gegenseitig imitierten. Ebenso die Suite h-Moll von Martin Blochwitz, die von den Instrumentalistinnen mit akribischer Sorgfalt, intonatorischer Reinheit und empfindsamem Ausdruck interpretiert wurden. Wunderschön auch die Arien des in Wien geborenen Christian Joseph Lidarti aus dem Oratorium „Esther“, die von Christiane Schmidt mit klarem Sopran intoniert wurden. Zuerst erflehte sie die Verschonung ihres Volkes, im Anschluss daran verkündete sie mit spritziger Fröhlichkeit die Erhörung dieser Bitte.

Wie Wilu Mann berichtete, hatte Roland Graser, Erster Vorsitzender der Warmaisa, sie vor einiger Zeit angesprochen, ob sie in Worms nicht mal jüdische Komponisten der Barockzeit präsentieren könne. „Mit dieser Idee hat er mich angezündet“, verriet die Musikerin. Intensive Recherchearbeiten mussten erledigt werden, um erst einmal herauszufinden, wo denn überhaupt Notenmaterial verwahrt wird. An diese Noten heranzukommen sei dann nochmal eine andere Herausforderung gewesen, so Mann. So musste für die Noten von Michelle Bolaffis Arien mit der Nationalbibliothek in Berlin verhandelt werden. „Erst als ich das Projekt beschrieb, hat man mich unterstützt und Fotografien der Noten zugeschickt“, berichtete die Musikerin. Das klangliche Resultat zeigte jedenfalls, dass sich die Mühe gelohnt hat und es auf diesem Feld wohl noch so manche Entdeckung zu machen gibt.

 

 

 

 

 

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